#deckweiss

Wie du richtig Feedback gibst

December 6, 2020
Gastbeitrag von
Timna Rosenthaler

In unserem Arbeitsalltag sind Soft Skills oft wichtiger als Hard Skills. Projekte und Unternehmen scheitern zu oft einfach daran, dass die Kommunikation untereinander nicht passt.

Timna Rosenthaler
"Ein Vakuum, geschaffen durch fehlende Kommunikation, füllt sich in kürzester Zeit mit falscher Darstellung, Gerüchten, Geschwätz und Gift." - Cyril Northcote Parkinson

Was ich in einem Unternehmen auf keinen Fall will, sind Aussagen wie: "Ich weiß auch nicht, warum die das nicht so machen." Das ist so ziemlich das worst case Szenario. Richtiges Feedback geben funktioniert nicht von 0 auf 100. Es ist ein Prozess und ein wichtiger Bestandteil einer guten Unternehmenskultur.

Warum ist Feedback wichtig?

Wege, um Dinge nicht persönlich zu nehmen

  1. It's not about me: wir müssen den Fokus von "ich" zu "wir" verlegen. —> Wir müssen die Absicht der anderen Person finden (z.B. warum schaut die andere Person aufs Handy wenn ich präsentiere? Vielleicht ist die Person gelangweilt, ABER vielleicht wartet die Personen auch auf eine wichtige Rückmeldung.)
    Der Durchschnittsmensch produziert jeden Tag 55,000 Gedanken, aber nur 10,000 dieser Gedanken sind positiv (80% unserer Gedanken sind negativ).
  2. It is about me: Obwohl wir versuchen die Absicht der anderen Person zu verstehen, nehmen wir Dinge trotzdem oft noch persönlich.
    Wir müssen uns selbst Empathie geben und sprechen. Wir müssen dem anderen schildern, was in uns vorgeht. Indem wir uns öffnen und/oder uns verletzlich zeigen - ohne den anderen zu beschuldigen - erhöhen wir die Wahrscheinlichkeit, dass der andere uns versteht und unsere Bedürfnisse berücksichtigt.

Wie wir Feedback verwenden können um zu lernen und zu wachsen

Der Empfänger des Feedbacks ist immer dafür verantwortlich, was er/sie an sich heran lässt. Je nachdem wie du mit Feedback und auch schlecht ausgedrücktem Feedback umgehst, verändert es die Sichtweise, wie andere Menschen dich erleben und sehen. Wir Menschen haben viele Gründe, Feedback abzulehnen und das ist auch berechtigt. Einer dieser Gründe ist, weil wir uns selbst Grenzen setzen. Wir setzen uns selbst Grenzen um festzulegen, wie sehr wir etwas an uns heran lassen. Wenn wir Feedback bekommen, scannen wir das Feedback umgehend, und wenn wir etwas falsches oder negatives an dem Feedback erkennen, lehnen wir es automatisch ab.

Feedback kann verschiedenste Reaktionen in uns aus auslösen:

  1. Wahrheitsauslöser: Eine Reaktion ist, dass wir umgehend nachdenken, ob das Feedback korrekt sein kann.
  2. Beziehungsauslöser: Wie und ob wir das Feedback annehmen hängt stark von der Beziehung zwischen Geber und Empfänger ab.
  3. Identitätsauslöser: Feedback kann starke Emotionen in uns auslösen und jeder von uns braucht unterschiedlich lang um sich von Feedback zu erholen.
"Reden lernt man nur durch reden." - Marcus Tullius Cicero

Oftmals verurteilen wir uns auch selbst für das Feedback das wir erhalten. Wir denken alle unterschiedlich und jeder Mensch hat eine andere "Baseline". z.B. Jemand der im Lotto gewinnt wird nach einem Jahr wieder genauso glücklich oder unglücklich sein wie zuvor. Wenn du auf einem niedrigeren Sollwert lebst, dann wirkt sich dies darauf aus, wie du positives Feedback annimmst. Wenn Menschen nicht verstehen, warum andere so viel Wert auf Wertschätzung legen, dann ist das, weil sie auf einer höheren "Baseline" leben.

Wichtig ist, dass wir unsere eigene Persönlichkeit kennen. Denn je nach Persönlichkeit reagieren wir anders auf Feedback. Wenn wir wissen, wie wir sind, tun wir uns leichter unsere eigenen Muster zu erkennen und können dadurch das Feedback besser annehmen. Ein erster Schritt kann hierzu ein Persönlichkeitstest von 16 personalities sein.

Worauf wir uns fokussieren: Wenn wir auf Google nach "Dinge, die mit mir falsch sind" suchen, werden alle unser Fehler aus der Vergangenheit, in die Brüche gegangene Beziehungen etc. aufgelistet. Es scheint, als ob alles was wir in der Vergangenheit gemacht haben falsch war. Unsere Suchergebnisse werden stark von unseren Suchbegriffen bestimmt. Wir sollten uns nicht unter der Decke verstecken und hoffen, dass das Feedback verschwindet. Stattdessen sollten wir diese Verzerrungen zerlegen, damit wir das Feedback in der tatsächlichen Größe sehen und daraus lernen können.

Des weiteren ist unser Gedächtnis stark von unseren Emotionen geprägt. Eine Situation, die starke Emotionen in uns hervorruft, beschäftigt uns intensiver und bleibt dadurch länger in unserem Gedächtnis hängen. Wir neigen zusätzlich dazu, uns so zu beschreiben, wie wir uns selbst kennen oder auch gerne sehen wollen würden.

Grundsätzlich sollte man niemals zu jemand anderem sagen "bitte gib mir Feedback". Stattdessen sollte man nach einer bestimmten Sache fragen "What's one thing you see me doing/or failing to do where I'm getting in my own way?" —> Dadurch bekommt man konkretes Feedback. Es gibt uns die Wahrheit, die wir nicht umgehen können. Dadurch können wir lernen und wachsen.

4 Schritte für effektives Feedback

  1. The Micro Yes: Gute Feedback-Geber beginnen mit einer Frage, die kurz aber wichtig ist. Es lässt die andere Person wissen, dass Feedback kommen wird. z.B. "Hast du kurz 5 Minuten Zeit, damit wir reden können, wie das letzte Meeting verlaufen ist?" oder "Ich habe ein paar Ideen, wie wir Sachen verbessern können, kann ich meine Ideen mit dir teilen?"

    Diese Micro Yes Frage ermöglicht 2 Dinge:

    - Es lässt die andere Person wissen, dass Feedback auf sie zukommt.

    - Die Person kann mit ja oder nein antworten und bekommt dadurch ein Gefühl der Autonomie.
  2. Data Point: Man sollte sagen, was man genau gesehen oder gehört hat und alle Wörter ausschließen, die nicht objektiv sind.

    - Anstatt zu sagen "du bist eine verlässliche Person" sollte man sagen "Du sagtest, dass du mir eine E-Mail bis 11:00 schickst, aber ich habe noch immer nichts bekommen"

    - auch bei positivem Feedback sollte man spezifisch sein
  3. Zeige die Auswirkung/show the impact: Sage, wie sich der oben genannte data point auf dich ausgewirkt hat —> z.B. "Weil ich deine E-Mail nicht erhalten habe, war ich gehindert weiterzuarbeiten ..." dies erzeugt Logik und Verständnis.
  4. Ende das Feeback mit eine Frage: "Wie siehst du es?" oder "Das ist was ich denke, aber was sind deine Gedanken darüber?" —> erzeugt Engagement —> gemeinsamer Lösungsweg

Man sollte nicht nur regelmäßig Feedback geben, sondern auch aktiv nach Feedback fragen.

Quellen

The secret to giving great feedback | The Way We Work, a TED series:

https://www.youtube.com/watch?v=wtl5UrrgU8c

How to use others' feedback to learn and grow | Sheila Heen | TEDxAmoskeagMillyardWomen:

https://www.youtube.com/watch?v=FQNbaKkYk_Q

How not to take things personally? | Frederik Imbo | TEDxMechelen:

https://www.youtube.com/watch?v=LnJwH_PZXnM

The best way to confront someone | Simon Sinek

https://www.facebook.com/watch/?v=424928161640411

Why is Feedback Important? | Shari Harley

https://www.youtube.com/watch?v=udCqSrTzHSU&ab_channel=ShariHarley

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