Es gibt eh schon alle Tools am Markt, wieso Individualsoftware?

June 21, 2020
Gastbeitrag von
Daniel Aigner

Es gibt schon unheimlich viel Software am Markt. Ab wann soll ich mich jetzt auf die Suche nach bestehenden Tools begeben und wann soll ich lieber doch bei Deckweiss anklopfen?

Daniel Aigner

Das erinnert mich ein wenig an die Frage, die ich meinem Tischler einmal gestellt habe: "Warum soll ich eigentlich bei dir eine teurere Küche kaufen und nicht eine von der Stange?" Seine Antwort war: "Kannst eh, viel Spaß ;)"

Hier stehen individuelle Produkte in Konkurrenz zur Massenproduktion. Das eine ist weder gut und das andere weder schlecht. Es kommt immer auf die Anforderungen an.

Bin ich ein Student und brauche eine Küche nur für meine 5 Jahre Studium, so wird es wenig Sinn machen, eine teure individuelle Küche zu kaufen.

Bin ich allerdings ein frisch gewordener Familienvater in meinem neuen (und höchst wahrscheinlich einzigen) Haus, so werde ich auf gute Qualität achten. Weiters sollte die Küche auch ins neue Haus passen.

So verhält es sich auch bei Software.

Jede Organisation ist anders

... so auch die Anforderungen an eine Software.

Sind die Anforderungen an eine neue Software bekannt, so kann man sich auf die Suche nach einer geeigneten Software machen. Ob das nun eine neu entwickelte Software sein wird, oder eine individuell entwickelte Software, oder eine Mischform, entscheidet sich genau jetzt.

Bei unseren Projekten vergleichen wir zu Beginn, welche Tools es am Markt gibt und wie ein Zusammenspiel Sinn machen könnte. Wichtig ist hierbei nicht nur die Auswahl der Tools, sondern auch die Zukunft der gesamten Software. Ähnlich zum Studenten, der eher vorübergehend eine Küche braucht entscheidet sich hier, ob auf Tools vertraut werden kann, oder eine eigene Entwicklung mehr Sinn machen würde.

Hierbei achten wir besonders auf folgende Kriterien:

  • Hält das Softwareunternehmen, europäische und österreichische Richtlinien ein?
  • Ist das Tool schon länger am Markt und wird es auch laufend weiterentwickelt?
  • Hat das Tool eine API-Schnittstelle, um eine automatisierte Eingliederung zu ermöglichen?
  • Gibt es einen guten Support, den man auch erreicht?
  • Welche fortlaufenden Kosten sind damit verbunden?

Wann sollte man auf eine individuelle Software zurückgreifen?

Wenn das Kerngeschäft von der Software abhängt

Um so mehr die Software das Kerngeschäft betrifft, um so sinnvoller ist eine eigene Entwicklung. Allein die Software-Abhängigkeit ist ein wesentlicher strategischer Entscheidungsfaktor, den man nicht außer acht lassen darf. Das haben wir leider auch schon schmerzhaft feststellen müssen, als wir bei einem unserer Projekte auf ein Tool zurückgriffen, welches von einem Tag auf den anderen nicht mehr funktionierte.

Man spart sich zwar anfangs viel Zeit und Geld, jedoch ist hiermit auch ein Risiko verbunden, das sich nicht immer auszahlt.

Wenn eine Weiterentwicklung in Frage kommt

Ist die Software ein erster Schritt in Richtung Digitalisierung und kann man noch weitere Prozesse digital abbilden, so macht es ziemlich sicher Sinn, das System gesamtheitlich anzudenken.

Nimmt man für jeden Teilbereich ein anderes Tool bekommt man nicht nur einen Fleckenteppich, sondern ist auch abhängig von vielen verschiedensten Herstellern und Supportleistungen.

Wird das Tool tatsächlich nur für diesen einen Bereich verwendet (bspw. Newsletter-Automatisierungen), dann macht es Sinn. Ist allerdings ein großer Teilbereich der Produktion davon abhängig, wo sich die Anforderungen an die Software auch ändern können, so ist eher eine eigene Entwicklung anzustreben.

Wenn die Nutzer die Software definieren

Gerade in sekundengenau getakteten Produktionslinien muss die Software passen. Hier sollte nicht der Prozess wegen einer Standardsoftware definiert werden, sondern sich die Software nach dem Anwender richten.

Conclusio

Wenn man seine Prozesse an eine Standardsoftware anpassen kann und das auch langfristig unternehmerisch Sinn macht, kann man gerne auf ein SaaS-Tool zurückgreifen.

Wenn man allerdings sehr individuelle Prozesse und Anforderungen hat und langfristig digitale Unterstützung durch Software anstrebt, so sollte man auf eine Eigenentwicklung setzen.

Weiters sollte eine Software auch nicht immer vom unternehmerischen IST-Stand ausgehend betrachtet werden. Mit einem digitalen Werkzeug entstehen oft auch neue Geschäftsfelder und neue unternehmerische Möglichkeiten.

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