Was ich im Studium nicht lernte

October 11, 2020
Gastbeitrag von
Daniel Aigner

Hard Skills sind das eine, doch als Unternehmer sind Soft Skills mindestens genau so wichtig. Wenn nicht sogar oft wichtiger.

Daniel Aigner

Vorweg: Dies soll in keinster Weise ein Bashing sein, sondern darstellen, welche zusätzlichen Bereiche ich als (junger) Unternehmer in den letzten 3,5 Jahren gelernt habe und als wichtig erachte.

Ein Unternehmen besteht aus vielen Bestandteilen. Wenn erstmal das Business Model klar ist und der erste Auftrag für einen Kunden abgewickelt wurde, wurde schon viel gelernt. Marketing, Vertrieb, Erstgespräch, Aufwandsschätzung, Angebot, Auftrag, Projektabwicklung, Kundenkommunikation, Rechnungslegung, Support, ... Dies alles und noch viel mehr sind Bereiche, welche bei uns immer wiederkehrend sind. Dafür benötigt es schon einiges an Know-How und da spreche ich noch nicht von unser eigentlichen Dienstleistung. Als Unternehmer sollte man immer ein gutes Bild von allen Abteilungen, Prozessen und Abläufen im Kopf haben, um das Unternehmen gut steuern zu können.

Dazu kommen unternehmerische Risken, die man eingeht. Mit den ersten Mitarbeitern viel mehr Verantwortung. Kurzzeitig immer wieder hoher Stress und Druck. Also viele Bereiche welche die Soft Skills betreffen und oft untergehen.

Wie geht man mit Druck um?

Ich habe generell die Einstellung, dass bis zu meinem 25. Geburtstag alles nur zum Lernen dient. Das nimmt mir sämtlichen Druck und die Freiheit Fehler zu machen. Alles was bis dahin passiert wird als Learning abgehakt.

Vielleicht noch ein Beispiel: Als ich letzte Woche beim Physio war und ich während meiner Behandlung 3 Anrufe hatte fragte er: "Warum hebst du nicht ab? Es könnte doch wichtig sein." Daraufhin meine Antwort: "Es ist immer alles wichtig." Was meine ich damit?

Solange ich Herr über meine Zeit bin und nicht alles immer ganz so ernst nehme, verspüre ich automatisch weniger Druck. Generell vermeide ich tunlichst mich aus meiner eingeplanten Zeit für etwas rausreißen zu lassen und versuche immer im jetzt zu sein und diese Tätigkeit so produktiv wie möglich zu betreiben. Alles andere wäre dumm und eine Verschwendung meiner Lebenszeit.

Netzwerk Aufbau = bester Vertrieb

Unser großes Netzwerk hat sich aus einer Not ergeben. Anfangs hatte ich große Angst vorm Vertrieb. Ich wollte keine Kaltakquise am Telefon machen und es hat mir mehr Spaß gemacht einfach mit Menschen zu plaudern und ihnen unsere Dienstleistungen zu erklären.

Dies stellte sich im Nachhinein als die langsamere Variante heraus, wir hätten sicher noch schneller wachsen können, allerdings ist dies sicherlich auch die längerfristigere und nachhaltigere Variante. Um so mehr Menschen Deckweiss kennen, um so besser. Heuer hatten wir schon 83 Kundenanfragen, wobei lediglich 5 davon nicht über unser Netzwerk gekommen sind. Dies hat einen sehr wesentlichen Vorteil: Wer aus dem Netzwerk kommt, kennt uns schon und hat bereits Vertrauen zu uns. Im Gespräch können wir ganz offen über die mögliche Zusammenarbeit plaudern und auch sehr rasch in die Umsetzung kommen. Weiters kennen wir die Kunden auch schon, müssen nicht alles hinterfragen und vertrauen ihnen auch.

Flexible Unternehmensentwicklung

Wir leben immer in unseren vorgelebten und gelernten Silos. Denken im Tunnel und sind über Disruption verwundert. Dazu einen coolen Satz, welche ich letzte Woche bei einer Präsentation gelesen habe: "Gönn dir den ganzen vorgelebten Scheiß in Frage zu stellen."

Das hat mich sehr an unseren flexiblen Unternehmensaufbau erinnert. Bei uns gibt es ja de facto keinen Chef und bis jetzt (3 Jahre, 8 Monate) wurden alle Entscheidungen im Konsens gefunden.

Wir lernten Organigramme, Hierarchien, fixe Rollen, fixe % für Marketing auszugeben, ... das ist in der Theorie alles ganz gut und schön. Nur beeinflusst das auch die Denke und die Entscheidungen. Dann hört man wieder von innovativen StartUps, die gefühlt alles anders machen und den Markt auf den Kopf stellen. Doch was machen diese StartUps anders? Sie wissen gar nicht, was Standard wäre und handeln nach den Bedürfnissen der Menschen, stets mit einer großen Vision im Kopf. So ähnlich handhabt es auch Elon Musk mit seiner "First Principle Thinking"-Denkweise, welche auf folgendes Problem Antworten gibt: "We can't solve problems by using the same kind of thinking we used when we created them." - Albert Einstein

Entscheidungen treffen

Als Unternehmer hat man ständig Entscheidungen zu treffen. Um so mehr Entscheidungen man trifft, um so besser wird man darin auch. Es gibt so viele unterschiedlichste Wege um ans Ziel zu kommen. Hier gilt es rasch Entscheidungen zu treffen und dann all in zu gehen.

Grundsätzlich gehe ich nach folgendem Muster vor:

  • Warum ist das für uns relevant? → Welche Ziele werden dadurch (schneller, besser, günstiger) erreicht?
  • Worum geht's? → Informationsbeschaffung
  • Kosten/Nutzen? Wurden weitere Varianten bedacht? Warum ist diese Variante die beste?
  • Wer ist dann für die Durchführung verantwortlich und bis wann sind messbare Ergebnisse zu erwarten?

Ich denke, dass wir grundlegend oft vieles anders machen, als das Lehrbuch vorschlagen würde. Weil wir gar nicht wissen, was da drinnen steht. Deshalb ist bei uns die aktive Wissensaufnahme und Wissensvermittlung untereinander enorm wichtig.

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