Was ich im Studium lernte

October 18, 2020
Gastbeitrag von
Katrin Teufel

Ein kleiner "Konter" zu Daniels letztem Blog "Was ich im Studium nicht lernte".

Katrin Teufel

Vergangene Woche hat euch Daniel berichtet, was er im Studium nicht lernte. Diese Woche darf ich „kontern“ und erzähle euch, was ich während meiner Studienzeit (abgeschlossenes Vollzeit-Bachelorstudium „Sport-, Kultur- und Veranstaltungsmanagement sowie berufsbegleitendes Masterstudium „Produktmarketing und Innovationsmanagement“, derzeit im 3. Semester) bisher lernen durfte. Dies mache ich anhand meinen selbst definierten fünf W-Fragen: Worin, Wie, mit Wem, Wer und Wo.

Worin ich gut bin

Studiengänge wählt man grundsätzlich völlig freiwillig. Sie bestehen meist aus vielen verschiedenen Fächern, von denen allerdings nicht alle einem jeden Studenten zusagen und die man – insbesondere an Fachhochschulen – auch nicht einfach so abwählen kann. Worauf will ich nun aber hinaus? Es war für mich nicht wenig überraschend, herauszufinden, dass ich in Dingen gut bin, die mir Spaß machen, beispielsweise darin, ein Veranstaltungskonzept zu planen und umzusetzen. Was aber durchaus eine überraschende Erkenntnis für mich war, war jene, dass ich auch in Fächern, die nicht meinen Interessen entsprachen, gut sein konnte. Das Paradebeispiel war Kulturwissenschaften. Trotz mangelndem Interesse konnte ich durch ein bisschen Fleiß ebenso ein „Sehr gut“ erlangen wie in Veranstaltungsmanagement. Ebenso ist es nun, wenn ich in meinem Job mit einer Aufgabe betraut werde, die mir wenig Freude bereitet. Dank etwas Eifer und dem Willen, die Tätigkeit rasch und trotzdem sorgfältig durchzuziehen, ringt sich mein Chef bestenfalls zu einem Lob durch und ich bin stolz, die Aufgabe zur Zufriedenheit erledigt zu haben. Somit gibt es doch noch ein „Happy End“, auch wenn die Motivation anfangs mangelhaft war.

Wie schön Schule ist

Wir hören es oft genug: „Die Schulzeit war die schönste Zeit in meinem Leben.“ Dem kann wohl niemand zustimmen, der sich gerade mitten im Matura-Lernstress befindet. Ich konnte diese Erkenntnis auch erst seit Eintritt in das Bachelorstudium treffen, aus dem simplen Grund, zwischen Matura und Studium einen Ausflug in die Arbeitswelt gemacht zu haben. Nach zweijähriger, harter Arbeit in einem Reitstall, während der weder Überstunden noch Sonntagsdienste eine Seltenheit waren, fühlten sich die ersten Semester des Vollzeit-Bachelorstudiums beinahe an wie ein Partyurlaub. Wohl wissend, dass eine solche Zeit nicht wiederkehren würde, genoss ich sie ausgiebig und kann nun sagen: Ja, Schule ist wirklich schön!

Mit wem ich gut zusammenarbeiten kann

Natürlich kann man sich nicht mit jedem Menschen gut verstehen, und die „Grüppchenbildung“ ist etwas, das auch in Studenten-Jahrgängen nach wie vor passiert. (Ob das jemals aufhört, ist eine andere Frage.) Kaum ein Studienabschluss kann erlangt werden, ohne die eine oder andere Gruppenarbeit durchgeführt zu haben, soviel steht fest. Nicht immer kann mit den Lieblingsmenschen aus dem Studiengang zusammengearbeitet werden. Das wird von dem ein oder anderem Lektor verhindert, indem er/sie durch willkürliche Teamzusammenstellungen die Teamfähigkeit der Studenten erprobt. Mag die Zusammenarbeit dann womöglich etwas holpriger sein, da das Team erst durch den Forming-Storming-Norming-Performing-Prozess gehen muss, kamen dennoch oft erstaunliche Ergebnisse zutage. Oder vielleicht gerade deshalb? Weil man eben aus diesem gewohnten Kreis aus Menschen und Meinungen austritt? Vielleicht. Allenfalls habe ich seither keine Angst mehr, in immer neu zusammengewürfelten Teams zu arbeiten.

Wer alles weiß

Oft sind Uniprofessoren und Lehrende generell beeindruckende Persönlichkeiten. Manche von ihnen tragen bereits fünf Doktortitel, führten gefühlt 50 verschiedene Unternehmen zum Erfolg und schrieben bereits dutzende Bücher. Aber: Sogar das Wissen dieser Persönlichkeiten ist begrenzt. Dies zeigt sich, wenn Themen oder Technologien in Vorlesungen von den Studenten thematisiert werden, die schlichtweg so brandaktuell sind, dass noch nicht einmal Donald Trump über sie getwittert hat. Dann ist auch das Wissen der größten Manager und Doktoren einmal erschöpft – weil sie eben auch nur Menschen sind, wie wir alle, und diese Zeit so schnelllebig ist, dass wirklich keiner immer Up-to-Date sein kann.

Wo ich überall zurecht komme

Mein Bachelorstudium zu absolvieren bedeutete gleichermaßen für mich, zumindest temporär von zu Hause auszuziehen, da der Studienort rund drei Autostunden von meinem bisherigen Wohnort entfernt war. Dass ich dort, in Kufstein, einer Stadt in einem anderen Bundesland, aber noch immer in meinem Heimatland Österreich, gut zurecht kam, war für mich keine große Überraschung. Spannender wurde es, als ich das fünfte Semester erreichte, in welchem mein verpflichtendes Auslandssemester zu absolvieren war. Denn dabei ging es satte 14.000 Kilometer weit weg, in eines der am weitesten von Österreich entferntesten Länder – nämlich Australien. Und siehe da! Auch dort gelang es mir, nicht von gefährlichen Schlangen, Spinnen oder Haien gefressen zu werden, und (wahrscheinlich sogar lebenslange) Bekannt- und Freundschaften zu schließen. Eine solche Erfahrung gibt einen unglaublichen Boost für das Selbstbewusstsein und die Persönlichkeitsentwicklung, und kann in einer solchen Intensität im Arbeitsalltag kaum erlebt werden.

Fazit

Natürlich kann vieles erst im Arbeitsalltag, also nach dem Prinzip „Learning by Doing“, erlernt werden. Außerdem zeigt einem das Leben tagtäglich, insbesondere in Krisenzeiten wie diesen, dass es weitaus Wichtigeres gibt, als gute Noten. Dennoch kann man sich einiges aus den Vorlesungen und Projekten mitnehmen, das man später vielleicht zur Umsetzung gewisser Aufgaben brauchen kann. Meiner Meinung nach ist die Studienzeit aber vor allem eines: Zeit für Entwicklung, Experimente und Spaß, die ich in vollen Zügen genieße.

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