Risiko minimieren und schnell auf den Markt - Das MVP

July 1, 2020
Gastbeitrag von
Simon Hell

Das erste Auto hatte kein Radio installiert, Amazon startete als einfacher Buchshop und Dropbox begann mit einem Video über die Idee des Online File-Sharings. Was haben sie gemeinsam und was können wir davon lernen?

Simon Hell

Du hattest also eine geniale Idee wie du die Berührungspunkte mit deinen Kunden durch eine App optimieren könntest. Natürlich hast du es nicht bei der Idee belassen - du hast sofort weitergedacht und dir Unmengen an nützlichen Funktionen und Workflows überlegt.

Deine Geschäftspartner stimmen dir zu, deine Überlegungen könnten euren gesamten Kundenprozess aufs nächste Level heben. Ihr seid überzeugt davon, die App in Angriff zu nehmen.

Du präsentierst die Idee dem Software-Dienstleister deines Vertrauens und dieser stellt ein Angebot für all deine Ideen und Wünsche zusammen. Das Angebot ist für beide Seiten fair kalkuliert und trotzdem ist es weit außerhalb deines gedachten Budgets. Außerdem ist der Zeitraum der Umsetzung viel länger, als du es dir gewünscht hast. So könntet ihr einen Umschwung im Markt um ein paar Monate verpassen, was euch wiederum eine Menge an Geld und Chancen kosten könnte.

Wie lässt sich dein Problem lösen? Schließlich bist du immer noch überzeugt, dass die Idee Sinn macht. Dir ist jedoch das finanzielle Risiko zu groß. Außerdem möchtest du nicht so lange warten, bis du mit dem Produkt auf den Markt gehen kannst.

Die Lösung: Das MVP

Dein Konzept beinhaltet schon eine Unmenge an Details und Funktionen, jede davon natürlich äußerst nützlich für den Endnutzer. Jedoch hindert das dich daran, kostengünstig und schnell auf den Markt zu gehen. Natürlich muss ein Software-Produkt die essentiellen Funktionen, die gebraucht werden, auch beinhalten. Um auf den Markt zu gehen, braucht es aber nicht von Anfang an alle erdenklichen Details.

Deshalb macht es Sinn, sich die Idee genau anzusehen und herauszufinden, was wirklich notwendig ist. Mit dem Ziel, ein Konzept zu erarbeiten, das gerade noch genug Funktionen beinhaltet, um die ersten Nutzer/Kunden zufriedenzustellen und um ausreichend Feedback für die Weiterentwicklung der Software einzuholen. Ist dieses Ziel erreicht, spricht man von einem MVP = Minimal Viable Product.

Das Ziel jeder Software ist es, verwendet zu werden. Ein Projekt, welches so teuer ist, dass es nicht umgesetzt werden kann, scheitert bevor es beginnt.

Warum ist ein MVP-Denken von Vorteil?

Nun stellt sich natürlich die Frage, wieso sollte man mit einem kleineren Produkt auf den Markt gehen, dass eigentlich viel weniger kann, als geplant. Hier einige Gründe, warum es durchaus Sinn macht, sich mit der Konzeption eines MVP zu beschäftigen:

"No plan ever survives the first contact with the enemy. What matters is how quickly the leader can adapt"

Das haben schon Preussische Generäle im Jahre 1800 gewusst. Wenn wir ein Produkt auf den Markt bringen, dann können wir zuvor nur mutmaßen, wie es sich am Markt verhalten wird. Dadurch wird klar, dass es unsinnig ist eine Idee bis ins kleinste Detail durchzudenken. Viel wichtiger ist es mit einer überschaubaren, flexiblen Basis zu starten. Damit haben wir früh den ersten Kontakt zum Endnutzer und können schnell erkennen, wie wir unseren Plan an den Markt und die Nutzer anpassen müssen.

Du verschwendest weniger Zeit damit, Funktionen zu entwickeln, die vielleicht gar nicht genutzt werden

Welche Funktionen wirklich gerne von den Nutzern verwendet werden, entscheiden diese zum Großteil selbst. Natürlich ist es eine gute Idee zu Beginn so viele Informationen wie möglich über die Nutzer, ihre Bedürfnisse und ihre Wünsche zu sammeln. Jedoch kann man selbst mit der besten Planung eines Softwareprodukts nicht exakt sagen, welche Funktionen schlussendlich wie stark genutzt werden. Wenn ein MVP umgesetzt wird, werden Funktionen weggelassen, von denen nicht 100% klar ist, ob die Nutzer die Funktion wirklich brauchen und verwenden.

Durch wegstreichen von unwichtigen Funktionen sparst du Zeit und Geld bis zur ersten Begegnung mit dem Markt

In frühen Phasen eines Produkts gibt es nichts wertvolleres, als Feedback von den Nutzern. Diese wissen, was sie brauchen und diese kennen ihre eigenen Bedürfnisse am besten. Das heißt nicht unmittelbar, dass man immer alle ihrer Wünsche bedingungslos berücksichtigen muss. Aber das Feedback ermöglicht es dir, sinnvolle Überlegungen für die Weiterentwicklung aufzustellen. So kannst du sicherstellen, dass du eine gute Richtung einschlägst und auch in Zukunft zufriedene Nutzer haben wirst.

Du bekommst schneller wertvolles Feedback von deinen Nutzern

Im ersten Moment fühlt es sich zwar einbremsend an, wenn nicht alle deine gewünschten Funktionen sofort in das Produkt kommen. Jedoch hilft dieses Reduzieren dabei, finanzielle Mittel einzusparen und schneller auf den Markt gehen zu können. Die gewonnene Zeit und das dadurch gesparte Geld können durch das schnelle Nutzer-Feedback noch zielgerichteter und sicherer investiert werden.

Früh zu testen spart Zeit und Geld, welches dadurch noch gezielter und effektiver angelegt werden kann.

Was kommt nach dem MVP?

Nachdem du dein Produkt auf den Markt gebracht hast und Feedback von den Nutzern eingeholt hast, wird es Zeit das Produkt weiterzuentwickeln. Die ersten Nutzer werden immer Wünsche haben, die für die Weiterentwicklung sehr gut geeignet sind.

Es beginnt ein iterativer Prozess bestehend aus: Konzept & Planung → Design → Entwicklung → Testen → Feedback einholen. Dabei gilt immer wieder die Frage: "Welche Funktionen sind momentan am wichtigsten, sodass wir die Nutzer zufriedenstellen und ausreichend Feedback für die nächste Runde bekommen?" Die MVP-Denkweise hört also nie auf.

Wieso wir davon überzeugt sind, dass ein MVP-Denken richtig für ein neues Produkt ist?

Gerade beim ersten Kontakt mit einer Software ist es notwendig aus dem Nutzer einen Verbündeten zu machen. Am einfachsten ist es hierbei, sich auf einen Aspekt der Interaktion zu fokussieren und diesen perfekt umzusetzen.

Do one thing right instead of doing many things mediocrely.

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